„Letztendlich geht es doch um Respekt für die geleistete Arbeit.“

03. Juni 2021  BLOG

Am 1. Juli startet die Tarifrunde im Bauhauptgewerbe für die rund 890.000 Beschäftigten. Die IG BAU fordert 5,3 Prozent mehr Lohn, eine echte Wegezeitentschädigung und die Angleichung Ost an West. Letztendlich geht es doch um Respekt für die geleistete Arbeit, sagt Hauke Kuster, Sekretär bei der IG BAU in NRW. Unsere Bundessprecherin Ulrike Eifler hat mit ihm über die Tarifrunde gesprochen und auch darüber, wie wir als LINKE unterstützen können.

BAG Betrieb & Gewerkschaft: Du bist als Sekretär der IG BAU zuständig für das Bauhauptgewerbe. Ab 1. Juli startet die Tarifauseinandersetzung. Was ist der aktuelle Stand und mit welchen Forderungen zieht die IG BAU in die Tarifrunde?

Hauke Kuster: Die IG BAU fordert für die rund 890.000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes 5,3 Prozent mehr Einkommen, Weiterentwicklung der Wegezeitentschädigung und die Angleichung der Einkommen in Ost an West.

Vor allem die Wegezeitentschädigung ist für die Kolleginnen und Kollegen ein emotionales Thema. Diese wurde mit dem Tarifabschluss 2020 erst eingeführt. In der jetzigen Form handelt es sich aber nur um einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf den Lohn oder das Gehalt. Das ist ungenügend. Die Arbeitszeit beginnt und endet auf der Baustelle. Die Wege zur oder von der Baustelle werden in der Regel nicht vergütet. Wir reden hier von durchschnittlich 10 Stunden in der Woche. Das ist Lebenszeit, die verschenkt wird!

Am 11. Mai haben die ersten Verhandlungen stattgefunden. Die Arbeitgeber haben 3 Prozent mehr Einkommen geboten, und das mit einer Laufzeit von 24 Monaten. Über die Weiterentwicklung der Wegezeitentschädigung haben die Arbeitgeber sich nicht geäußert. Lediglich bei einer Angleichung der Ost- an die West-Einkommen haben die Arbeitgeber eingesehen, dass es dafür eine Lösung geben muss. Die zweiten Verhandlungen finden am 21. und 22. Juni 2021 statt.

In der größten Krise der Nachkriegsgeschichte ist es vermutlich auch nicht einfach, eine Tarifauseinandersetzung zu führen, wie würdest du die Stimmung unter den Kollegen und wie die wirtschaftliche Situation im Bauhauptgewerbe einschätzen?

Die wirtschaftliche Situation im Bauhauptgewerbe ist hervorragend und gibt uns mit unseren Forderungen recht. Das vom DIW jährlich berechnete Bauvolumen (Summe aller Neubau- und Bestandsmaß-nahmen inkl. Reparaturen) ist in Deutschland nach rund acht Prozent in 2019 im Corona-Jahr 2020 sogar real um 2,2 Prozent (nominal: 4 Prozent) auf gut 444 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl geleisteter Arbeitsstunden in den Betrieben übertraf Januar bis November den Wert des Vorjahreszeitraums um 4,6 Prozent. Die Bauwirtschaft konnte sich als einziger Wirtschaftsbereich gegen die Krise behaupten und stützte laut Statistischem Bundesamt die Gesamtkonjunktur mit einem Wachstumsbeitrag von 0,2 Prozentpunkten. Das wissen auch die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und wollen selbstverständlich ihren Teil davon abhaben.

In den Tarifrunden des ÖD und in der Metall- und Elektroindustrie konnten wir beobachten, wie sehr sich die Fronten in den Tarifauseinandersetzungen verschärft haben. Erstmals wollten die Arbeitgeber nicht nur Nullrunden, sondern sogar Minusrunden und legten mit ihren Angriffen auf die Jahressonderzahlungen die Axt an die Fundamente jahrzehntelanger Tarifpraxis. Ist das im Bauhauptgewerbe ähnlich?

Auch in unseren Tarifverhandlungen wird der Ton schärfer. In der jüngeren Vergangenheit war von Kürzungen tariflicher Leistungen die Rede. Die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeber wird immer mehr durch eine Blockadehaltung ersetzt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Tarifverhandlungen – nicht nur durch die des Bauhauptgewerbes. Die Sozialpartnerschaft, sofern es sie mal gegeben hat, hat wohl ausgedient. Die Kolleginnen und Kollegen müssen sich auf immer härtere Tarifauseinandersetzungen einstellen.

Gibt es Planungen von Aktionen, über die schon etwas verraten kannst?

Selbstverständlich laufen unsere Planungen auf Hochtouren. Leider kann ich an dieser Stelle noch nichts dazu sagen.

In der LINKEN gibt es viele aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im Haupt- und Ehrenamt, die solidarisch mit den warnstreikenden Kollegen sind. Wie können wir als Partei euch im Tarifkampf unterstützen und unsere Solidarität zeigen?

Sobald öffentliche Aktionen stattfinden, freuen wir uns natürlich über Unterstützung und Teilnahme. Bereits im letzten Jahr haben wir bei einer Demonstration in Dortmund Unterstützung von der LINKEN erhalten. Das kam bei den Kolleginnen und Kollegen sehr gut an. Solltet ihr Baustellen sehen, die mit unseren Forderungen plakatiert sind, sprecht die Leute die dort arbeiten ruhig an und sagt ihnen, dass ihr die Forderungen unterstützt und dass ihr ihre Arbeit wertschätzt. Letztendlich geht es doch um Respekt für die geleistete Arbeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

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