PUBLIKATIONEN

Transformation der Arbeitswelt: Stefan Weigand aus Hanau-Großauheim

30. Oktober 2020  TRANSFORMATION ARBEITSWELT

Betrieb & Gewerkschaft: Kannst du uns sagen, in welchem Betrieb bzw. in welcher Branche du arbeitest und welche Funktion (VK, BR, GS) du hast?

Stefan Weigand: Ich bin bei Hitachi-ABB Power Grids am Standort in Hanau Großauheim beschäftigt. Das Unternehmen wurde Ende letzten Jahres gegründet und zum 30.06.2020 übernahm Hitachi 80,1 Prozent der Anteile. Vorher gehörten wir zu 100 Prozent zur ABB AG. Das Unternehmen stellt Schaltanlagen, Transformatoren und Antriebe her, welche zur Stromverteilung vom Erzeuger ausgehend hin zum Verbraucher bzw. zu Verteilungsstationen benötigt werden. Am Standort selbst werden gasisolierte Schaltanlagen in der Spannungsebene der Hochspannung (von 72,5 kV – 170 kV), hydromechanische Federspeicherantriebe für jede Art von Hochspannungshardware hergestellt. Sowohl Servicedienstleistungen für die Netzbetreiber, die solche Anlagen in Betrieb haben, als auch die Inbetriebnahme dieser Anlagen werden von Hanau Großauheim aus angeboten und abgewickelt. Ich führe hier im Betrieb die Funktion des VK-Leiters und des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden aus. Auf Geschäftsstellenebene bin ich der Vorsitzende des Vertrauensleuteausschusses.

Die Automobilindustrie befindet sich in einem weltweiten Umbruch, wie macht sich das in eurem Betrieb bemerkbar?

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Transformation der Arbeitswelt: Ändert sich jetzt alles!?

29. Oktober 2020  TRANSFORMATION ARBEITSWELT

Der Begriff Transformation ist in aller Munde. Er beschreibt eine umfassende Veränderung der Arbeitswelt, die für die meisten schwer greifbar ist, die aber gleichzeitig viele schon jetzt erleben. Treibende Faktoren sind Energiewende, Digitalisierung und Globalisierung. Unter der Vorgabe, nachhaltiger und digitaler zu produzieren, geraten Branchen und Arbeitsplätze zunehmend unter Druck.

Branchenkrisen und Strukturveränderungen sind im Kapitalismus nichts Ungewöhnliches. Denn kapitalistische Produktion fragt nicht danach, was gesellschaftlich sinnvoll und nützlich ist, sondern unterliegt einem harten Konkurrenzprinzip. Gesellschaftliche Bedarfe werden ausgeblendet, stattdessen wird wild in den Markt hineinproduziert und das so kostengünstig wie möglich. Die Folge sind Überproduktion, Rationalisierung, Flexibilisierung, Automatisierung oder Produktionsverlagerung. Konkrete Beispiele für einschneidenden Veränderungen in der Geschichte der Bundesrepublik sind die Stahlkrise, die Kohlekrise, die Werftenkrise, die Textilkrise oder auch die Medienkrise.

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Zur Gewerkschaftsorientierung der Partei gibt es keine Alternative

27. Oktober 2020  BLOG, DEBATTE / PARTEI

Der vor uns liegende Parteitag findet in einer tiefen gesellschaftlichen Krisensituation statt und leitet große personelle Umbrüche ein. Mit Janine Wissler und Susanne Henning-Welsow bewerben sich zwei Genossinnen für den Parteivorsitz und viele weitere neue Gesichter für einen Sitz im Parteivorstand.

Die BAG Betrieb & Gewerkschaft schickt mit Jana Seppelt und Jan Richter zwei Bundessprecher ins Rennen. Die internen Diskussionen in den letzten Jahren haben unsere Partei immer wieder vor Zerreißproben gestellt. Sie waren Ausdruck zugespitzter gesellschaftlicher Entwicklungen, die mit aller Kraft an der Verfasstheit unserer Partei rüttelten: Die soziale Krise hat ein inzwischen beschämendes Ausmaß erreicht. Die Prekarisierung der Arbeitswelt schreitet weiter voran. Der Strukturwandel führt dazu, dass sich das Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit nun auch in der Industrie zunehmend auflöst. Bedrückende Fluchtgeschichten und der drohende Klimakollaps haben vor allem junge Menschen politisiert und auf die Straße mobilisiert.

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„Die Arbeitgeber eskalieren den Konflikt“

22. Oktober 2020  BLOG

Deutschlandweit finden aktuell Streiks im Öffentlichen Dienst und von Busfahrerinnen und Busfahrern statt. Die Freiheitsliebe hat mit unserem Bundessprecher Jan Richter über den Tarifkonflikt, Umverteilung und die Rolle der Partei DIE LINKE gesprochen. Wir spiegeln es hier auf unserer Seite.

Die Freiheitsliebe: Aktuell finden Streiks und Proteste im Öffentlichen Dienst statt, was sind die Forderungen der Gewerkschaften?

Jan Richter: Es geht um mehr Lohn und Entlastung für diejenigen, die unser Land am Laufen halten. 4,8 Prozent mehr, mindestens aber 150 Euro plus eine Erhöhung der Azubi-Vergütung um 100 Euro und eine Übernahmegarantie. Die bestehenden Regelungen zur Altersteilzeit sollen verbessert und verlängert und die Arbeitszeiten im Osten an die im Westen angeglichen werden. Es geht aber auch um zusätzliche freie Tage zur Entlastung, Regelungen zu Wechselschichten und eine Erhöhung der Sonntagszuschläge.

Die Freiheitsliebe: In den Medien wird über den Zeitpunkt gemeckert und dass ver.di es wagt, während Corona zu protestieren. Wollten die Gewerkschaften, die Auseinandersetzung zu diesem Zeitpunkt?

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Die Europäische Linke und die Corona-Krise

21. September 2020  BLOG, PUBLIKATIONEN

Die Corona Pandemie hat die ohnehin bestehende Krise in Europa noch einmal deutlich verschärft und die EU in eine Existenzkrise gestürzt. Die europäische Politik ist gescheitert, was sich insbesondere im Ge­sundheitswesen zeigt. In dieser Situation ist die Europäische Linke (EL) gefordert, sich zu positionieren und Wege aufzuzeigen, wie man aus dieser Krise herauskommt.

Sie hat nun eine Plattform mit dem Titel „Die Corona Krise und ihre Kon­sequenzen für die Europäische Politik“ vorgelegt. Ausgehend von der Fest­stellung des tiefgreifenden Charakters der Krise, die als eine systemische Krise interpretiert wird, werden Aktivitäten in fünf Bereichen gefordert:

  1. Zunächst geht es um einen umfassenden Schutz der Bevölkerung. Dies erfordert eine Stärkung des Gesundheitssystem auf europäischer Ebene. Konkret wird die Einrichtung eines Europäischen Gesundheitsfonds in Höhe von 100 Milliarden Euro gefordert, dessen Finanzierung über die EZB erfolgen soll.
  2. Einen zweiten Bereich stellt die Wirtschaft dar, auf den wei­ter unten eingegangen wird.
  3. Drittens warnt die EL davor, die Bekämpfung des Virus als Vorwand zum Abbau von Demokratie zu nehmen. Notwendi­ge Beschränkungen müssen die Ausnahmen bleiben und dürfen nicht zum Dauerzustand werden.
  4. Viertens fordert die EL, die Corona-Krise zum Anlass zu nehmen, um Abrüstung und Frieden in den Mittelpunkt der Politik zu stellen. Dabei sind insbesondere die Militärausgaben drastisch zugunsten der Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zu reduzieren.
  5. Und fünftens gilt es, verstärkt internationale Solidarität zu praktizieren.
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Plädoyer für kürzere Arbeitszeiten in der Pflege

17. September 2020  BLOG, PUBLIKATIONEN

Am internationalen Tag der Pflege im Mai erfuhr der Pflegeberuf im Bundestag aufgrund der Corona-Pandemie erhöhte Aufmerksamkeit. Die Neuinfektionen sanken und verlangsamten sich und alle hatten noch den Applaus der Bevölkerung für die Beschäftigten in den Kranken­häusern im Ohr. Vielen wurde in dieser Zeit klar, auf welche Jobs wir nicht verzichten können und einigen, wie wenig uns diese Jobs bisher interes­siert haben. Auch im Bundestag wurde stehend applaudiert. Erst auf An­frage von DIE LINKE kam heraus, dass sich bis dahin bereits über 11.000 Beschäftigte, die Covid-19-Patienten versorgen, mit dem Virus angesteckt hatten, zwei Dutzend daran sogar verstorben sind. Gegen den rückläufigen Trend infizierten sich hier pro Woche mehr als 1.000 Kolleginnen und Kollegen.

Die Mär vom Fachkräftemangel

Der Schlüssel für die längst überfällige Umverteilung der Arbeitszeit liegt dabei in der Pandemie selbst. Denn kürzere Arbeitszeiten im Gesundheits­wesen retten nachweislich Leben und schützen die Gesundheit von Be­schäftigten und Patienten. Das Verhältnis zwischen Schichtdauer und Überlebenschancen der Patienten sowie der Ansteckungswahrscheinlich­keit der Beschäftigten wurde auch im chinesischen Wuhan deutlich. Statt weiterer Be- und Überlastung sanken ab dem Moment, als die Schichten auf sechs Stunden halbiert wurden, die Behandlungsfehler sowie Infek­tions- und Sterberaten deutlich.

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Corona-Lotterie: Wer gewinnt und wer verliert?

15. September 2020  BLOG, PUBLIKATIONEN

Europas Wirtschaft befindet sich offiziell in der schwersten Wirtschafts­krise seit den 1930er Jahren. Wovor einige Beobachter früh warnten, ist mittlerweile Allgemeingut und spiegelt sich in wichtigen Kennzah­len: Die Konjunktur ist eingebrochen, die Arbeitslosigkeit steigt, die Kurz­arbeit bleibt hoch (in Deutschland im Juni ca. 7 Millionen Personen), die Zahl der offenen Stellen sinkt und generell bleibt trotz Lockerungen die Aussicht für die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen trübe. Ein Minus von bis zu 90 Prozent ist keine Seltenheit in der deutschen wie eu­ropäischen Automobil- und Touristikbranche (Flugverkehr, Kreuzfahrten) bei Großveranstaltungen und Messen, der Hotellerie (Übernachtungen) und bei Restaurants bis hin zur Kunst- und Kulturszene und dem stationä­ren Einzelhandel jenseits von Lebensmitteln und Drogeriebedarf.

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Wofür streiten im Gesundheitswesen?

11. September 2020  BLOG, PUBLIKATIONEN

Die Kämpfe um die Welt nach der ersten Corona-Welle sind bereits in vollem Gange. Für Deutschland wurden nach den zahlreichen unmit­telbaren „Rettungsmaßnahmen“ mit dem Koalitionsbeschluss zur Kon­junkturankurbelung zentrale Weichen gestellt.

Die Rede von der „Welt nach Corona“ ist richtig und falsch zugleicht. Falsch, wenn der Eindruck erweckt wird, dass die Corona-Krise grundsätz­lich etwas an den politischen Forderungen geändert hat. Richtig, weil die Krise durchaus für institutionelle Verschiebungen und Veränderungen in den Legitimationsbezügen gesorgt hat. Die folgenden Forderungen waren dementsprechend vor Corona genauso richtig wie danach. Es soll jedoch im Folgenden darum gehen, an welchen Stellen sich die Bedingungen zu deren Durchsetzung möglicherweise verbessert haben:

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Autoindustrie: Mobilitätswende statt Arbeitsplatzvernichtung

09. September 2020  BLOG, PUBLIKATIONEN

Die Krise der Auto- und Zulieferindustrie ist unübersehbar. Weltweit sinkt der Absatz seit Jahren. In Deutschland lag die Produktion im letzten Jahr um 300.000 Fahrzeuge unter dem Niveau des Krisenjah­res 2009. Corona hat diese Krise nun enorm beschleunigt. Die Zulassungen im Inland sanken im April um 60 Prozent, in den ersten fünf Monaten in der EU um fast 50 Prozent. Millionen Fahrzeuge stehen unverkauft bei den Händlern und in den Werken. Es geht jetzt um hunderttausende Autos, die nicht gebaut werden. Drastisch sinkt die Auslastung der Fabriken, drama­tisch hoch sind die Personalüberhänge. Für eine Ökonomie, die nur auf Wachstum gepolt ist, ist das eine Katastrophe. Viele kleine und mittelgroße Unternehmen haben schon Beschäftigte entlassen, Standorte geschlossen oder Insolvenz angemeldet.

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Was heißt neue Normalität aus linker Sicht?

07. September 2020  BLOG, PUBLIKATIONEN

Im April diesen Jahres veröffentlichte der Einladerkreis Offensive Ge­werkschaftspolitik der IG Metall sein Diskussionspapier „Die Renaissance des Staates„. Ziel des Papiers ist es, Diskussionen innerhalb der IG Metall und anderer Gewerkschaften darüber anzustoßen, wie wir angesichts der aktuellen „Corona-Krise“ die Auseinandersetzung um den weiteren gesell­schaftlichen Entwicklungsweg führen, um zu einer neuen Normalität aus linker Sicht kommen.

Zwei Entwicklungswege

So zeichnen sich in der aktuellen Entwicklung zwei Wege ab: Ein autoritä­rer, auf Umverteilung zu Lasten der Beschäftigten zielender Staat einer­seits und ein sozialstaatlich ausgerichteter, demokratischer Weg anderer­seits.

Autoritäre Züge in der Entwicklung sind dabei die Einschränkung der Grundrechte, eine neue entdemokratisierte Betriebskultur mit starken Ver­einzelungstendenzen und einer Zwei-Klassen-Logik (u. a. Homeoffice auf der einen Seite, Produktion unter bedenklichen Hygienebedingungen auf der anderen) und die massive Umverteilung zur Stützung der Unterneh­men, die in der Vergangenheit zum Teil hohe Renditen eingefahren haben. Diesen wird das Unternehmerrisiko durch die Kurzarbeit vollständig abge­nommen, während das Kurzarbeitergeld selbst nach der Erhöhung unzu­reichend bleibt.

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